A Dream Within A Dream

Ari Folman, Regisseur des großartigen Animations-/Dokumentarfilms Waltz with Bashir hat einen neuen Film gedreht. Er nennt sich The Congress. Ich habe den Film gestern Nacht geschaut, als ich eigentlich schon viel zu müde dafür war. Meine Müdigkeit war von der Art, dass ich manchmal nicht wusste, ob ich noch müde war oder eigentlich schon schlief und dass jedes plötzliche Geräusch mir das Gefühl geben konnte, aus meinem eigenen Leben aufzuwachen. Das war, wie sich herausstellen sollte, genau der richtige Zustand, um diesen Film zu sehen. Der Film funktioniert nämlich nach dem genau umgekehrten Prinzip. Er funktioniert wie einer dieser Träume, aus dem man immer wieder aufwacht, nur um festzustellen dass man in einem neuen Traum gelandet ist. Wo diese ineinander verschachtelten Träume ein süßes, schreckliches, schwammiges Gefängnis bilden, bis einen die echte Wachheit erlöst.

Die Schauspielerin Robin Wright, bekannt als Love-Interest von Forrest Gump und Ehefrau von Francis Underwood, spielt sich selbst als Schauspielerin am Ende ihrer Karriere. Das Studio, für das sie jahrzehntelang gearbeitet hat, macht ihr ein letztes Angebot: Sie soll sich scannen lassen, komplett, damit das Studio ihre digitale Kopie nach belieben einsetzen kann. Sie wird dafür so entlohnt, dass sie nie wieder arbeiten gehen muss, darf aber eben auch nie wieder selbst als Schauspielerin in Erscheinung treten. Nach einigem Zögern nimmt sie an, weil sie einen Sohn mit unheilbarer Krankheit hat, um den sie sich kümmern möchte. 40 Minuten lang ist der Film eine sensible, wenn auch teilweise ein bisschen hölzerne Meditation über das Wesen des Schauspielers und den Gegensatz zwischen technischer Perfektion und menschlicher Unzulänglichkeit. Und dann explodiert er.

Die Zukunft, von der im ersten Teil nur geflüstert wird, eine Zukunft, in der auch der gescannte, computeranimierte Schauspieler ein Relikt ist, weil die Filmfirmen nur noch Impulse in unser Gehirn schicken, diese Zukunft tritt ein. Plötzlich bin ich in einem Animationsfilm von solcher Sinnlichkeit und Opulenz, wie es sie sonst nur bei Studio Ghibli gibt. Ich werden in eine Welt entführt, die fremd, wild, schön und beklemmend ist. Es geht nicht mehr um Schauspieler, es geht um alles: um Wahrheit, Rausch, Tod, Lüge, Angst, Seele, Gesellschaft. Nüchtern würde mir das alles vielleicht banal erscheinen, aber in diesem Zustand, in diesem Film, reißt es vor mir Abgründe und türmt mir Himmelstreppen auf. Mehrfach ertappte ich mich dabei, wie ich eigentlich geweint hätte, aber zu gebannt dafür war.

Ich kann nicht garantieren, dass ich den Film in hellwachem Zustand genauso gut gefunden hätte. Meine eigenen Träume jedenfalls, als ich mich schließlich doch schlafen legte, erschienen mir vergleichsweise blass.

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