Schlaaaaaaaaaand

Die Zeit der billigen Autofähnchen ist also wieder angebrochen. Schwarz-rot-gold, manchmal mit nem Bundesadler drauf, manchmal mit ein paar Fußbällen und manchmal (heute gesehen) mit der Aufschrift „PIZZA ANDI„. Die Zeit, in der Leute ironisch, aber eigentlich nicht ironisch „Schlaaand“ schreien, weil ihnen „Deutschland“ zu martialisch klingt. Die Zeit in der jeder positive ausländische Kommentar zur Nationalmannschaft zum Zeichen hochgejazzt wird, dass die Welt uns wieder mag. So wie ja die WM 2006 und der Grand-Prix-Sieg von „Ein bisschen Frieden“ 1984 Zeichen dafür waren, dass die Welt uns endlich wieder mag. Skandinavische Fußballfans tragen oft übergroße Schaumstoff-Wikingerhelme, man wird aber nie einen deutschen Fußballfan mit einer übergroßen Schaumstoff-Pickelhaube erwischen. Nein, nein, wir geben uns locker, relaxt und südländisch(?) mit schwarz-rot-goldenen Afros, Baströcken und Blumenketten. Und während die Stolpersteine die ganze Bundesrepublik in ein Holocaust-Museum verwandeln und Guido Knopp die letzten Zeitzeugen ins Motion-Capture-Studio schickt, damit er sie später digital wiederbeleben kann, gibt sich der Rest der Gesellschaft einem Patriotismus hin, der alles zugleich sein möchte: identitätsstiftend aber inhaltsleer, aggressiv aber harmlos, nationalistisch aber weltoffen, ohne dass ihm dieser Spagat je wirklich gelingt. Ich glaube, was ich über das Nationalgefühl der deutschen sagen möchte, ist folgendes: It’s a fucking mess.

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