Die beste Serie, von der ihr noch nie gehört habt

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Ich habe letztes Jahr schon ein mal über „The Americans“ geschrieben, und tue das jetzt, anlässlich des Starts der zweiten Staffel, wieder. Warum? Weil sie wahnsinnig gut ist, erstens, und weil sie zweitens anders, als alle anderen Serien, über die ich schreiben könnte, in Deutschland bis jetzt so gut wie keine Aufmerksamkeit erfahren hat.

„The Americans“ handelt von zwei KGB-Spionen die im Amerika der 80er leben, unter dem, was man deep cover nennt. Deep cover ist eine tiefgehende Schutzidentität, die bei den beiden so tief geht, dass sie seit 20 Jahren in den USA leben, nur Englisch miteinander sprechen und zwei Kinder großziehen, die von den Machenschaften ihrer Eltern nichts wissen.

Die beste Szene in dem Spionagefilm „Tinker Tailor Soldier Spy“ ist die, als auf der offiziellen Weihnachtsfeier des MI:6 alle anwesenden Spione, angeleitet von einem Weihnachtsmann mit Lenin-Maske, besoffen und inbrünstig die sowjetische Nationalhymne singen. Der Punkt, an dem die Beschäftigung mit dem Feind so intensiv geworden ist, dass man nicht mehr weiß, ob man ihn noch hassen oder schon lieben soll. Das ist der Grund, warum diese Geschichten vom kalten Krieg heute noch wirken können, obwohl der eigentlich schon kalter Kaffee ist. Weil sie Kristallisationspunkt des nie verschwinden Zweifels und der Entfremdung in uns sind. In diesem Sinne ist „The Americans“ wie eine einzige lange Fortsetzung dieser Szene.

Besonders auch in der Komik die darin liegt. Neben ihrer Haupt-Schutzidentität haben die beiden noch zahlreiche Nebenidentitäten, die sie durch eine nicht enden wollende Palette von absurden Klebebärten, Perücken und Brillen herstellen und zu verschieden Zwecken benutzen. Als Philipp, der männliche KGB-Agent, in seiner Nebenidentität als „Geheimdienstüberwachungsoffizier“ eine Sekretärin dazu bringen will, eine Wanze im Büro des FBI-Chefs zu platzieren, heiratet er sie. Nur so kann er sie emotional derart manipulieren, dass sie ihm seine hanebüchenen Erklärungen glaubt. Die resultierende Fake-Hochzeit mit der nichtsahnenden Braut und Elisabeth, seiner echten Frau, in der Rolle der Trauzeugin und Schwester ist ein Spektakel des schlechten Geschmacks und der falschen Hoffnung.

Deep Cover. Jeder in seinem eigenen Bunker. Oft gibt es gar keinen Soundtrack, sondern nur Rauschen, Knacken, Knirschen, Flüstern, all das, was man normalerweise im Tonstudio wegschneidet. So wie die Hauptfiguren perfekt ein amerikanischen Ehepaar imitieren können, so kann diese Serie perfekt den Look der 80er imitieren, weil sie, bis auf die Perücken, mit einer unglaublichen Genauigkeit und Zurückhaltung zu Werke geht. „Every time we put something on a TV, every time we have a prop or something like that, we look at it over and over and over again and ask ourselves ‚are we hitting it too hard?'“ sagt der Schöpfer der Serie, Ex-CIA-Agent Joel Weisberg. Und natürlich stehen im Mittelpunkt, wie in jede andere Serie auch, Sehnsüchte, Gefühle und Beziehungen. Aber auch die werden mit Klarheit und Sorgfalt behandelt. Im besten Sinne unsentimental.

Nothing prepares you for them growing up“ sagt ein anderes KGB-Elternpaar über ihre Kinder. Sie sind in der gleichen Situation wie Philipp und Elisabeth und sehen die beiden in der ersten Folge der neuen Staffel nach fast 10 Jahren wieder. „Nothing prepares you for them growing up. Here.“ Hier in der kalten Fremde. Einen Tag später wird diese Familie von amerikanischen Agenten umgebracht. Philipp und Elisabeth finden ihre Leichen in einem Hotelzimmer. Als sie das Hotel aufgewühlt wieder verlassen, kommt ihnen der Sohn dieser Familie entgegen, der im Pool baden war, und das Massaker verpasst hat. Sie lassen sich nichts anmerken. Er schenkt den beiden Fremden ein Lächeln im Vorbeigehen, und in einer ganz kurzen Einstellung sehen wir, wie dieser Junge, der nichts weiß von seinen Eltern, der meint ein ganz normaler amerikanischer Junge zu sein, seine geschlachtete Familie erblickt, das Blut auf der Stirn seiner Schwester noch verklebt mit dem Schmetterling, den sie sich in einem Vergnügungspark hat ins Gesicht malen lassen.

Deep Cover. Jeder in dieser Serie trägt eine Maske. Und gerade deswegen geht sie so unter die Haut.

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