Unser Geld wollt ihr, aber uns wollt ihr nicht

WP_000123Jemand erzählte mir mal (es war übrigens, glaube ich, ein Österreicher), wir massenhaft zuwandernden Deutschen, seien ja Schuld an der Misere der Schweiz. Ich musste mich bemühen nicht zu schreien: WELCHE FUCKING MISERE? Die Schweiz hat annähernde Vollbeschäftigung und die reichsten Bürger der Welt. Von welcher Misere sprechen wir?

Die große Lebenslüge der Schweiz ist, sie sei deswegen so reich, weil die Leute dort so viel arbeiten. Und es stimmt: ein Schweizer Arbeitnehmer arbeitet im Schnitt mehr als einer aus der EU. Aber das ist nicht der Grund, warum die Schweiz reicher ist als andere westliche Industriestaaten. Warum das Wasser da so klar, die Luft so sauber, und die Kühe so glücklich sind (Auf manchen Bauernhöfen gibt es wohl sogar Massageställe, die die Kühe benutzen können.) Der Grund ist, dass die Schweiz als Ermöglicherin von Steuerbetrug und internationaler Korruption fungiert. Das weiß jeder außerhalb der Schweiz, und im tiefsten Inneren wissen es die Schweizer eigentlich auch.

Wenn man einen Karikaturisten beauftragen würde, die schlimmsten Züge bigotter, rechtskonservativer Journalisten in einer Zeichnung zu vereinen, das Ergebnis sähe ungefähr so aus wie Roger Köppel. Er ist dann auch derjenige, der sich anschickt, das „Modell Schweiz“ in deutschen Talkshows zu verteidigen. Er argumentiert dabei wie ein Crackdealer. Wir schaffen doch die Nachfrage nicht! Die Leute kommen doch zu uns! Viel Sympathie bringt er auf für die Inflationsängste deutscher Sparer, die nur durch ein Schweizer Nummernkonto zu lindern seien. Gleichzeitig ist er einer der stärksten Befürworter der Masseneinwanderungsinitiative, die heute durchgegangen ist. „Ausländer“ ist in der Schweiz eines der Codewörter für „deutsch“, und es sind überproportional deutsche und italienische Einwanderer, die durch die Initiative in ihren Rechten beschnitten und stigmatisiert werden. Wie das beides zusammen geht? Nun, liebe Schweiz, wir haben schon verstanden: Unser Geld wollt ihr, aber uns wollt ihr nicht.

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Eine Antwort zu Unser Geld wollt ihr, aber uns wollt ihr nicht

  1. margrit kropf schreibt:

    Das Geld ist doch immer noch Euer! Und was – irgend ein – Staat zu fassen kriegt, ist verschwendet. Verprasst es halt, dann habt Ihr wenigstens etwas davon! Es steht zu Eurer persönlichen Verfügung. IHR wollt es Eurem Staat vorenthalten. Wir respektieren das.

    Abgesehen davon haben wir gegen niemanden etwas. Beinahe jeder Schweizer hat ja in den umliegenden Ländern Verwandte. Aber wir leben derart eingeengt: 5 Mio Einwohner genügen. Alles andere ist Tortur. Zudem konkurrenzieren Neuzuzüger auch die bereits in unserem Lande lebenden Ausländer. – Was wollt Ihr überhaupt bei uns, wenn wir doch so unsympathische Gesellen sind?! Ihr habt doch in der EU die von Euch erarbeiteten paradiesischen Zustände. Für nur annähernd so etwas benötigten wir Schweizer doch Jahrhunderte.

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