Zitat 20

Sowohl der Mythos des Gegebenen als auch der Mythos des Mittelbaren bauen eine Kluft zwischen dem Ich und der Welt auf, zwischen dem erkennenden Subjekt und der erkannten Wirklichkeit. Sie streiten sich darüber, mit welcher Art von lebensweltlich bekannter Verbindung die Verbindung des Menschen zur Welt verglichen werden kann: mit Schläuchen oder Medien? Doch ist die Welt erst einmal auf Distanz gebracht, dann kommt man mit keiner der beiden Verbindungen mehr an sie heran. Genau deshalb ist die Annahme von Weltzugängen abwegig: Es kann keine Weltzugänge geben, weil das, was einen Weltzugang haben soll, als ein Teil der Welt gedacht werden muß. Wer nach dem Zugang des Menschen zur Welt fragt, tut fatalerweise so, als gäbe es das weltlose Subjekt, das vor seiner Benutzung des Weltzugangs kein Teil der Welt ist. Das Bild vom Zugang zur Welt ist eine unökologische Hybris: Menschen haben keinen Zugang zur Welt, sondern leben als ein Teil der Welt – bis zum Abgang.

Lambert Wiesing – Das Mich der Wahrnehmung

Über Samir Sellami

istinalog.net
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