Eine Frage an Bühnenwatch

gelb gelb gelb sind alle meine Kleider
gelb gelb gelb ist alles was ich hab
daru-hum lieb ich alles was so gelb ist
weil mein Schatz Chine-hese ist

Aus aktuellem Anlass und weil es jetzt nicht der erste Fall ist, lautet die Frage an Bühnenwatch, ob und wie rassistische Kackscheiße über China und Chinesen auf den diversen Bühnen des Landes verbreitet sind. (Die Frage ist ernst gemeint und nicht etwa die polemische Unterstellung, dass Bühnenwatch Rassismus gegen Chinesen ignoriere.)

Mich interessiert nicht, ob es das gibt, denn ich habe es ja jetzt schon zum wiederholten Mal leibhaftig erlebt, sondern wie genau anti-chinesischer Rassismus aussieht und in welchen Gestalten er auftritt. Ich hätte da mal die folgenden Vermutungen, die ich gerne ergänzt, mit Beispielen belegt, revidiert, verworfen oder präzisiert sehen würde:

  1. Die Chinesen werden als homogenisierte Horde dargestellt, die durch ihre bloße Zahl, Disziplin und Obrigkeitshörigkeit allein schon eine Bedrohung darstellen für den Status Quo Europas, das sie mit giftigem Spielzeug, Müll und Luftverschmutzung überschwemmen und mit Todesstrafen gegen freiheitsliebende Dissidenten beleidigen.
  2. Die „gelbe Gefahr“ ersetzt die Gefahr, die früher vom „Iwan“ ausging. Die „Chinesen“ sind die neuen „Russen“, nur mit dem Unterschied, dass man den Namen des Präsidenten nicht kennt und mit dem Unterscheid Weiter-im-Osten.
  3. Anti-chinesischer Rassismus ist gesellschaftlich stärker akzeptiert als Rassismus gegen viele andere Gruppen. Vielleicht liegt das daran, dass er sich hinter der Kritik an chinesischen Behörden oder Gesetzen verstecken kann. Oder auch daran, dass er sich als eine Art Stammtisch-Kritik der Kleinen, die wir Europäer noch nicht, aber ja ganz bald seien, gegen eine zukünftige Übermacht richten kann, mit der man weniger Mitleid hat als mit unterdrückten Minderheiten.
  4. Das kritische Anprangern kommt oft nur am Rande vor oder typographisch in Klammern gesetzt. Das ist/wäre umso erstaunlicher, wenn an meiner Vermutung was dran wäre, dass anti-chinesischer Rassismus zwar recht häufig vorkommt, aber nicht scharf genug denunziert wird.
  5. Anti-chinesischer Rassismus kommt häufiger als viele andere Rassismen in Kontexten vor, die in ihrem Selbstverständnis emanzipatorisch, nicht-rassistisch, identitätskritisch etc. sind.
  6. Anti-chinesischer Rassismus erscheint offen als Anti-Asianismus im allgemeinen, steht damit in einer langen rassistischen Tradition in Europa, richtet sich aber zunehmend gegen die bekannte Konstruktion des zeitgenössischen China als bedrohliche, kulturlose Menschenmasse mit bösen Absichten.

Das oben zitierte Beispiel stammt übrigens aus einer Performance, die von Nation, Heimat und Irgendwoverortetsein handeln sollte. Als die arg abstrakten Mittel der Performance erschöpft waren, wurde dann völlig unvermittelt das bekannte Jägermeister-Lied gesungen und in der zitierten Weise mit der Farbe gelb abgewandelt. Weitere explizite Referenzen auf Hautfarben oder Herkünfte gab es nicht, das Lied wurde z.B. nicht mit der Farbe schwarz und etwa einem Senegalesen als Schatz variiert.

Die Performance war im Allgemeinen nicht wirklich parodistisch oder lustig angelegt. Das Publikum lachte ab und zu, aber es war eher das Lachen der Eingeweihten an eigentlich nichtlustigen Stellen. Ein Lachen, mit dem der Eingeweihte zeigen kann, dass er mehr versteht als die anderen.

An der Chinesen-Stelle allerdings lachten einige herzhaft. Es klang wie eine Befreiung.

Über Samir Sellami

istinalog.net
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