This is the Story – Die Filme von Adam Curtis

Adam Curtis verbringt viel Zeit im Dunkeln. Ein großer Teil seiner Arbeit besteht darin, in einem abgedunkelten Raum das riesige Videoarchiv der BBC zu durchforsten. Die Schnipsel, die er dort findet, setzt er neu zusammen und unterlegt sie mit Musik. Wie gut er das kann, sieht man zum Beispiel in diesem Beitrag in seinem Blog, wo er zwei mal die gleiche Montage von Tanzsequenzen mit unterschiedlicher Musik unterlegt, und zwei mal nur dadurch ein anderes Menschenbild vermittelt. Aus diesen neu zusammengesetzten Schnipseln baut er Filme, er erzählt Geschichten. „This is the Story“ fangen so gut wie alle seine Filme an, und sie handeln von Ideen und Weltbildern, und wie Leute mit ihren Ideen die Welt verändern wollen, und wie sie dabei am Ende meistens etwas ganz anderes bewirken, als sie vorhatten. Er zeichnet mit grobem Pinsel, aber mit großem Gespür für Zufälle, Widersprüche und verborgene Parallelen. Viele Dinge entstellt er zur Kenntlichkeit, und einigen tut er sehr unrecht. Er scheut die elitäre Welterklärergeste nicht, im Gegenteil, er feiert sie, und so gut und süchtigmachend wie seine Filme sind, muss man aufpassen, dass man ihm nicht alles aus der Hand frisst. Er legt eine narrative Spur, und auch wenn man mit seinen Schlussfolgerungen nicht einverstanden ist, kann sie einem helfen, das eigene Gedankenchaos zu ordnen, und oft begegnen mir zumindest auf dem Weg viele Dinge, die ich so nicht gewusst habe.

Die Filme gibt es alle im Netz, oft in schlechter Qualität, was nicht so schlimm ist, denn die Bildqualität des Archivmaterials ist ja meist eh nicht so berauschend. Folgende lege ich besonders ans Herz:

„The Century of the Self“ (2002)
Teile 1 – 4
Wie Freuds Ideen den Konsumkapitalismus ermöglicht haben

„All Watched over by Machines of Loving Grace“ (2011)
Teil 1 Teil 2 Teil 3
Über den Glauben an selbstregulierende Netzwerke und der Erde als System als vorherrschende Ideologien unserer Zeit

Und in diesem Artikel aus dem Observer kann man noch mehr über seine Arbeit erfahren.

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