Grabsprüche auf den Postmodernismus III

Das Problem des Postmodernismus ist nicht, wie gerne behauptet wird, sein (angeblich) grenzenloser Relativismus. Nicht Beliebigkeit, sondern die allzu einfache Urteilsenthaltung ist das Problem. Nur dass die Urteilsenthaltung nicht (wie in der Stoa) geübt wird, erarbeitet, errungen werden muss. Sie wird ganz einfach übernommen. Man richtet sich in ihr ein, macht es sich gemütlich. Man wohnt in der Enthaltung, zieht sich in ihr die Klamotten an. Stoa und Postmoderne sind nicht nur Theorien, sondern auch Haltungen, die Handlungen hervorbringen, Handlungsmuster prägen. In der Stoa aber wird die Urteilsenthaltung gelebt, in der Postmoderne wird sie bloß ererbt. Der Postmodernismus muss sich dem Problem der Entscheidung stellen. Urteile gewinnt man nicht, indem man Positionen verteidigt.

Über Samir Sellami

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