Die schlechtesten Rapper aller Zeiten 1

Dieser schlechte Rapper ist nicht nur unglaublich schlecht, sondern hat obendrein auch noch einen unglaublich dämlichen Namen. Zu finden ist Party Arty, Mitglied einer kaum bekannten New Yorker Hip-Hop-Crew aus den 90ern namens Ghetto Dwellas, z. B. auf dem Album Goodfellas von Showbiz & A.G., und zwar gleich auf den vier Tracks Check it out, Got the Flava, Neighbahood Sickness und You want it.

Artys Stimme ist eine Zumutung. Sein Versuch, sie besonders rough zu kriegen, scheitert an nicht vorhandenen Stimmfarben, fehlendem Lungenvolumen oder vielleicht der Tatsache, dass er anstatt ins neben das Mikrofon zu brüllen pflegte. Das Resultat klingt dann ungefähr so, wie wenn Prodigy versucht (M.O.P. imitierend) vom angrenzenden Raum über den Luftschacht ins Studiomikrofon zu rappen. Oder wie ein ziemlich wütender Theaterschrei ohne Zwerchfellatmung. Oder als ob ein Pit Bull ohne Zähne eine Dogge anschreit. Aber am meisten eben doch wie eine Billy Danze-Parodie von Mobb Deep.

Textlich sieht es kaum besser aus. Als Beispiel sollte dieser Versuch Party Artys genügen, sich textenderweise Fame zu verschaffen:

Yo I’m not Cypress Hill but I’m still insane
I come with this ruggedness that be fucking with your brain
Niggas always talking about how they are
But I got that boom bap, original rap like the KR…
…S-One…

Ein Glück nur, dass sich Party Artys Auftritte auf Goodfellas zumindest in Minuten gerechnet in Grenzen halten. Die besten Songs mit ihm sind sicher Check it out und You want it, weil er dort nicht mehr tut als den Refrain zu schreien. Am meisten nervt er auf Got the Flava, wo man sich neben A.G. und Method Man zur höchsten Erfüllung nur noch Diamond D an Stelle des etwas blassen, aber immerhin unauffälligen Wali World gewünscht hätte. Der ist sonst noch in dem interessanten Track Got Ya Back zu hören, wo er und A.G. nicht wie üblich jeder für sich ihre Strophen abspulen, sondern mehr in eine Art Gespräch über Skills, Solidarität und Freundschaft treten. In diesem Track versteckt sich auch Party Artys bester Auftritt auf dem ganzen Album. Auf Wali Worlds gerappte Frage Party Arty how you like it? darf er, kaum wiedererkennbar, aus dem Off yo the shit sounds fat reinrufen. Und das gilt umso mehr, weil P.A. in dem Track mit Abwesenheit punktet.

Eine echte Wieder-, ja Neuentdeckung (für mich, ich gebe es zu) ist dagegen A.G. Seine Stimme ist extrem präzise, ohne abstrakt zu sein. Seine Flows sind wenig exzentrisch, aber dynamisch und gekonnt, dabei leicht anachronistisch irgendwo zwischen Old und New School pendelnd, zeitgemäßer als etwa Rakim oder Big Daddy Kane, aber mindestens genauso weit entfernt von Songs wie Tonz o‘ Gunz (GangStarr) oder Real Hip Hop (Das EFX), die ungefähr zeitgleich mit Goodfellas rauskommen.

Textlich setzt A.G. auf relativ konventionelle Selbstermutigungszeilen, verzichtet allerdings weitgehend auf Straßenromantik. So heißt es zwar an prominenter Stelle: Madison Projects is where I rest. Aber bei solchem Lokalpatriotismus kann man ja bei dem universellen Anspruch, den die eigene SubKultur gerade ausbildet, nicht stehen bleiben: Madison Projects is where I rest/ But I claim the whole planet it’s mine God dammit.

Hinter solch einfacher Fassade aber verbirgt sich durchaus ein A.G. als Meister der Anspielungen, der die genialen Samples von Showbiz als Intertext-Exzesse in seine Lyrics übersetzt. Zwar sind innerkulturelle Verweise auf geflügelte Worte aus den Songs von Kollegen im Hip Hop keine Seltenheit, aber Lines wie: With the spotlight I’m not concerned/ You can ask guru and primo cause we know it’s hard to earn zeugen sowohl von jeder Menge Selbstvertrauen (we know) als von ebenso hoher Reaktionsgeschwindigkeit (GangStarrs Hard to earn wurde 94 released, also nur ein Jahr vor Goodfellas). Gleich zwei Anspielungen verstecken sich in der Line Always had to rumble in the jungles of the concrete, nämlich der legendäre Boxkampf zwischen Foreman und Ali in Kinshasa und der Song Concrete Jungle von Bob Marley, auf den A.G. auch sonst gerne verweist. Und Never Less Than Ill treibt das Ganze auf die Spitze: Der erste Track des Albums verwurstet die meisten der folgenden Songtitel in einer eineinhalbminütigen Ouvertüre zu einem neuen, eigenständigen Text.

So etwas sind bleibende Eindrücke, und auf seine Art bleibend ist auch Party Arty aka Pain in the Neck und natürlich der unsterbliche Song Next Level, in der Remix-Version von Primo, natürlich:

Über Samir Sellami

istinalog.net
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