Acht Dinge, die der neue Chef vom Spiegel jetzt tun muss *

1. Jan Fleischhauer feuern. Jan Fleischhauer ist kein Journalist. Er ist wie eines dieser fiesen Kinder früher auf dem Schulhof, die einen so lange gepiesackt haben, bis man ausgerastet ist, und die einen dann noch mehr gepiesackt haben, weil man ausgerastet ist. Er nimmt den Ärger über seine verleumdenden und schludrigen Texte als beweis für seine Relevanz. Über seine Kolumnen schreibt er: „Der schwarze Kanal steht verlässlich auf der Seite derjenigen, auf die das Schwert der öffentlichen Meinung niedergeht, ohne dass sich eine Hand zu ihrer Verteidigung rührt.“ Man könnte nun meinen, damit meine er Islamisten und Hartz-4-Betrüger, also Leute für die in Deutschland wirklich niemand einsteht, aber es geht dann doch wieder nur um den armen Brüderle, den armen Guttenberg und die armen Atomkonzerne. Und ich glaube, dass selbst dem konservativen Establishment, dem er sich verschrieben hat, Jan Fleischhauers Schulhofgefechte mehr schaden als nutzen. Er betreibt ganz nebenbei die intellektuelle Aushöhlung des Konservativismus. „Für den Konservativen besteht kein Zweifel, dass der Mensch ein Mängelwesen ist, das der eisernen Faust des Gesetzes bedarf“ schreibt er in der einen Kolumne und lobt in einer anderen die FDP für ihre „gesunde Staatsskepsis“. Was denn nun, mehr Staat oder weniger? Egal, hauptsache die „Konservativen“ stehen da wo die coolen stehen, und die „Linken“ stehen da wo die doofen stehen. Also erste Amtshandlung: Fleischhauer feuern und jemanden einstellen, der ernsthaft für den Konservativismus argumentieren kann.

2. Axel Bojanowski und Gerald Traufetter feuern. Nein die Erderwärmung „stockt“ nicht, und Forscher „rätseln“ auch nicht warum dem so ist, auch wenn Herr Bojanonwski das in fast jedem seiner SPON-Beiträge behauptet. Der andere Mann schreibt Propagandaartikel, die einen vermuten lassen, er sei direkt von der Kohleindustrie bezahlt. Die Berichterstattung des Spiegel über den Klimawandel ist beschämend. Feuern sie die beiden und alle anderen, die dafür verantwortlich sind.

3. Matthias Matussek feuern. Haben sie mal seinen Videoblog gesehen? Gut, dann wissen wir ja wovon wir sprechen.

4. Die albernen Bildunterschriften abschaffen. „Politiker-Freund Hoeneß: Strahl vom Glanz abbekommen“ Im Ernst? Immer noch?

5. „Die Kolumnisten“ einstellen. Nein, der Rest der Kolumnisten ist nicht so dämlich wie Jan Fleischhauer (bis auf Sibylle Berg, die ist noch dämlicher, aber das würde hier zu weit führen), aber bis jetzt hat dieses Format vor allem eines hervorgebracht: schlampige Texte. Bis auf ein paar wenige Beiträge von Georg Dietz alles vergessenswerter Krempel. Erlösen sie diese Menschen von dem Zwang, jede Woche eine allwissende Kolumne herauszupressen und machen sie echte Blogs daraus.

6. „Hitler“ verbieten. Ja, wir wissen: „Wo Hitler draufsteht, ist Quote drin“. Beweisen sie moralische Überlegenheit und setzen sie das Blatt ein Jahr lang auf kalten Entzug. Auch sonstige Geschichten über den zweiten Weltkrieg gehören unter Generalverdacht. Und wenn nach dem Entzug doch mal wieder „Hitler“ auf den Titel kommt, muss dahinter mehr stecken als ne dumme Uhr.

7. Ausdünnen. Der Spiegel ist schon dünner geworden in den letzten zehn Jahren. Hatte er früher im Schnitt 230 Seiten sind es heute 160. Damit ist er aber immer noch bedeutend dicker als Time Magazine, The Economist und die meisten anderen internationalen Vergleichsprodukte. Beenden Sie die Zeilenschinderei, trennen Sie die Spreu vom Weizen und machen sie den Spiegel zu einem schlanken, scharfen, meinungsführenden Heft.

8. Wortspiele vermeiden. Verbieten Sie dem Gestalter der Titelseite das Schlafen auf der Witzekiste. Kim Jong-Bumm? Selten so gelacht. Ich weiß, dass man den Spiegel intern auch „Bild am Montag“ nennt, aber allzu wörtlich muss man das nicht nehmen, oder?

*Genaugenommen hat der Spiegel noch gar keinen neuen Chef. Er kriegt aber wohl einen. Ich dachte ich schreibe mal einen Artikel darüber, so wie Spiegel-Online ihn schreiben würde. In Listenform, weil sich das gut im Netz macht, sensationslüstern und voll bräsiger „Wir habens ja schon immer gewusst“-Arroganz. Und auch wenn das meiste, was ich geschrieben habe, auf eine Art ernst gemeint ist, glaube ich nicht, dass man das Magazin noch zum guten verändern kann. Eigentlich müsste man es einstellen. Genauso, wie man den Tatort und die Talkshows der ARD einstellen müsste. Formate, die sich überlebt haben. Aber das wird nicht passieren in einem Land, was das Prinzip der kreativen Zerstörung nicht kennt, wo Beständigkeit der höchste Wert ist und das Angela Merkel eine dritte und dann vielleicht noch eine vierte Amtszeit schenken wird, bis sie endgültig der weibliche Helmut Kohl geworden ist. Ein Land, dass genau über diese toten Formate seine Probleme verhandelt, erst der bräsige Spiegel-Artikel, dann der graustichige Themen-Tatort und dann die noch bräsigere Talkrunde (und dann noch ein Artikel, noch ne Talkrunde und dann zur Abwechslung ein ZDF-Zweiteiler und immer so weiter…). Und es ist wie bei der Homöopathie, die in Deutschland ja auch so populär ist wie nirgendwo sonst, mit jedem Schritt wird der Gehalt verdünnt, bis er sich zum Schluss ganz aufgelöst hat, bis alles was man zu einem Thema sagen kann zur Phrase verkommen ist, und die Phrasen hallen weiter, aber nichts hat sich verändert und keinem ist geholfen. Und bis auf ein paar unzufriedene Medienjournalisten scheint sich auch niemand wirklich an diesem Zustand zu stören. Insofern tut der neue Chef des Spiegel gut daran, nicht auf mich zu hören und einfach so weiterzumachen wie bisher.

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Eine Antwort zu Acht Dinge, die der neue Chef vom Spiegel jetzt tun muss *

  1. Paul Wöchler schreibt:

    Volle Zustimmung zu 1, 5 und 8 (Wortspiele sind wirklich eine grausige, im heutigen Journalismus viel beachtete Einrichtung). Wohl auch zu dem Rest, aber um die meisten Punkte habe ich mich bisher Gott sei Dank drücken und sie ignorieren können. Also gute Analyse, weitermachen.

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