Reblog Chevillard 1861

Mit seinem Blog L’Autofictif schreibt der französische Schriftsteller Éric Chevillard eine Art fiktionales TagebuchRhizom; die Einträge sind fortlaufend nummeriert und hängen höchstens unvorhersehbar zusammen. Beinahe immer wird man beim Lesen belohnt, also lohnt es sich (für den Fall eines Blogs) immer zu lesen. Hier der Eintrag 1861 von heute (in meiner Übersetzung):

Die Menschheit, sagt man uns, wird das Verschwinden der Biene um nicht mehr als vier Jahre überleben. Bemerken wir andererseits, dass die Aussicht sich in seinem Garten lange Marmeladenbrote zum Nachmittagskaffee reinzuschieben, ohne dabei belästigt zu werden oder an einem Bienenstich auf der Zunge zu ersticken, auch wenn dieses Glück nur wenige Jahreszeiten dauern darf, eine Aussicht ist, die es ermöglicht, die Schwere der Bedrohung zu relativieren.

Wir haben es fertig gebracht, uns sinnlich und geistig so anzupassen, dass wir die Langeweile und die Abstumpfung, die von der Sonne und der Hitze herkommen, als Lust empfinden.

Den Unzufriedenen kümmert wenig. Gleichgültig ernährt er sich von einer Sache oder von ihrem Gegenteil. So oder so passt es ihm nicht. Es ist alles in allem diese Art des Absoluten, die dem unerreichbaren Ideal der Glückseligkeit am nächsten kommt.

Weil Hermeneutik hier nur stören würde, sei stattdessen erstens auf den Eintrag im französischen Original verwiesen und zweitens darauf, dass Chevillard seit Kurzem auch in deutscher Übersetzung zu lesen ist (Anne Weber und dem diaphanesVerlag sei Dank).

Über Samir Sellami

istinalog.net
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Eine Antwort zu Reblog Chevillard 1861

  1. Erik Tiden schreibt:

    Danke. Allerdings halte ich den letzten Satz für puren Unsinn
    ‚Cet absolu est en somme ce qui ressemble le plus à l’idéal inaccessible de la béatitude.‘.
    Diese Art des Absoluten ähnelt die ‚béautitude‘ ungefähr so wie die Hölle dem Himmel ähnelt. Der Unzufriedene, der Miesepeter ist eine Zentralfigur unserer Zeit. Seine Unzufriedenheit speist sich aus verletzter Selbstliebe und seine Mißgunst vergiftet das geistige Klima und schmälert unsere Glücksmöglichkeiten. Er ist ein Mörder. Er postet millionenfach in den Kommentaren auf SPON.

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