Unterscheidungen 21. Eitelkeit ≠ Narzissmus

Narzissmus ist ein die Persönlichkeit zersetzendes Gift und führt nicht zur Produktion. Ein Narzisst kann kein wunderbares Klavierkonzert schreiben, weil er vor der letzten Note in seinem Spiegelbild ersäuft. Eitelkeit dagegen kann einen Menschen aufblühen und sich großartig entfalten lassen, wie eine japanische Papierblume. Diese Menschen ziehen aus ihrer Ich-Besessenheit Ehrgeiz, Kraft und Produktivität.

Fritz J. Raddatz

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From Compton to Congress. Kendrick Lamars neues Album “To Pimp a Butterfly”

That’s crazy man. In my opinion, the only hope that we kinda have left is music and vibrations, lotta people don’t understand how important it is. Sometimes I be like, get behind a mic and I don’t know what type of energy I’mma push out, or where it comes from. Trip me out sometimes. 

Das höre ich am Ende von »To Pimp a Butterfly«, Kendrick Lamars neuem, vorgestern erschienenen Album, als ich eigentlich denke, dass nach so viel genialer Intensität nichts mehr kommen kann, aber dann doch noch was kommt – ein fulminantes, aus Interviews gebasteltes Totengespräch mit Tupac, in dem Kendrick seine eigenen prophetischen Ambitionen mit dem Street Wisdom der 1996 ermordeten Raplegende kontrapunktiert. Zu diesem Zeitpunkt liegen 75 Minuten dichtester Musik, Poesie und Vibration hinter mir, die wohl das beste sind, was die guten Kräfte des Hip Hop seit Madvillainy (2004) produziert haben.

Im Vergleich zu Kendricks letztem Album, das seinen Ruhm begründete, ist To Pimp a Butterfly sperriger, philosophischer, aufs erste Hören weniger einprägsam. Kein Song, der als Easy-Listener einschlägt. Aber auch keiner, der beim ersten Hören erstmal abstößt und das sagt schon viel, denn das passiert mir eigentlich bei jedem Album sonst.

Nach dem versifizierten und in vielschichtige West-Coast-Beats gesetzten Coming-of-Age-Roman good kid, m.A.A.d. city nun also eine Sammlung von erzählerischen Prosagedichten, skandiert von Sounds und Geräuschen, angereichert mit Zitaten aus der Ahnenreihe afroamerikanischer Geschichte, regelmäßig unterbrochen von Acapella-Einlagen, die das Erbe der Spoken Word-Tradition aufrufen. Die Überfülle an Einfällen, Verweisen, spielerischen Audio-Gimmicks, weirden Tricks und kleinteiligen Collagen wirkt nie im Geringsten aufgesetzt und Kendrick lässt das von ihm zusammengescharte Material derart vibrieren, dass aus Sinnlichem Übersinnliches wird. In Gil Scott-Herons Worten, der das Album wie ein halbsichtbares Gespenst bespukt, könnte man leicht abgewandelt sagen: He has more than the five senses. He has more than books can teach. Weiterlesen

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Zitat 33

If one wants to listen to Madonna, much preferring her to Stockhausen, or if one likes Campbell’ s soup cans and understands nothing of Picasso, and above all if one is bored to death watching Duchamp’ s urinal for the millionth time, there is a way out: one can claim that one likes Kitsch, Camp, and Pop – and will make a great impression too.

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Zitat 32

Was meint Zeichnen ? Wie kommt man dahin? Es ist der Akt, sich einen Weg durch eine unsichtbare Mauer aus Eisen zu bahnen, die sich zwischen dem befindet, was man fühlt und dem, was man vermag. Wie soll man diese Mauer durchqueren, denn es nützt nichts, fest dagegen zu schlagen, man muss diese Mauer untergraben und sie mit der Feile durchqueren, langsam und mit Geduld, nach meinem Dafürhalten.

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Curtain Call.

In den letzten zwei Wochen haben zwei für mich sehr prägende amerikanische Medienfiguren das Ende ihrer Tätigkeit verkündet. Jon Stewart, den in Deutschland einige kennen, verfolge ich seit zehn Jahren, Andrew Sullivan, der hier weniger bekannt ist, seit fünf. Als ich, noch als Teenager, das erste mal die Daily Show sah, war ich wie vom Platz gefegt. Brutal komische, scharfsinnige Gesellschaftskritik in einem – für deutsche Verhältnisse – irrsinnigem Tempo. Weiterlesen

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Wenn der Netanyahu zweimal klingelt

“Frieden? Nicht um jeden Preis.” Ich warte nur darauf, dass dieser Wahlwerbespot in einer Nahost-Doku mit Horrormusik unterlegt wird.

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Unterscheidungen 20

Militanz ≠ Fundamentalismus

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