Happy Halloween with Israel Knox!

On Halloween little girls wear long dresses and do their hair in the fashion of their mothers, and little boys put on stove-pipes and tuxedos and hold toy-cigars in their mouths, and their childishness is emphasized by the contrast, and they do not cease to be little boys and little girls in quest of fun on Halloween night. Don Quixote and Falstaff, and some of the characters in Aristophanes and Moliere, are like little children on Halloween, and remind us that we too, with all our wisdom and with all our power, are little children, strutting across the stage of history for a brief interlude, dressed up in costumes meant to give the impression that the creatures wearing them are not of time but of eternity and the darlings of the entire universe.

(Israel Knox, 1957)

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Scheiß auf Liebe

Hier in Italien lieben sie stilbewusste, niveauvolle Sänger aus dem spanischen Norden. So wie Tonino Carotone. Sein Jahrhundertsong “Ich scheiß auf die Liebe”, “Me cago en el amor” läuft seit einigen Tagen über meinen klitzekleinen, unerwartet leistungsstarken Sackit-Bluetooth-Lautsprecher rauf und runter. Das Beste an dem Song des Dalí-Desperado mit Rasta-Resten sind aber nicht die Schattensexübungen, die er im Musikvideo mit logischerweise unbeteiligt dreinschauenden Schaufensterpüppchen aufführt, sondern die ins “gesungene” Spanisch reingeraunten Gedichtpassagen auf Italienisch, mit denen sich Carotone in der Nachbarschaft von Beckett, Ungaretti und Tristan Tzara durchaus wohl fühlen kann:

È un mondo difficile
e vita intensa
felicità a momenti
e futuro incerto
il fuoco e l’acqua
con certa calma
serata di vento
e nostra piccola vità
e nostro grande cuore

Sieht auf Deutsch dann ungefähr so aus:

Es ist eine schwierige Welt
und intensives Leben
Glück in Momenten
und ungewisse Zukunft
Feuer und Wasser
mit gewisser Ruhe
Abend des Windes
und unser kleines Leben
und unser großes Herz

Wunderbar nicht!?

 

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Unterscheidungen 18

Autonomie ≠ Spontaneität

(inspiriert von: Reza Negarestani)

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Zitat 29

I know that one of the most profoundly exciting moments of my life was when at about sixteen I suddenly concluded that I would not make all knowledge my province.

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Fundstücke aus Wolfgang Herrndorfs letztem Roman

Wolfgang Herrndorf: Bilder deiner großen Liebe. Ein unvollendeter Roman, Berlin 2014.

***

Und da habe ich unter den Büschen geschlafen und geträumt, dass ich unter Büschen schlafe und träume, und morgens, beim ersten Licht und Tau, bin ich schnell zurück durch das Fenster gestiegen und heimlich in meinem Bett erwacht. Das habe ich mir nicht eingebildet. Dafür gibt es auch Beweise. Und seitdem gibt es zwei Welten, die dunkle und die andere. Das ist jedenfalls meine Meinung, und ich muss wohl nicht dazusagen, dass die Ärzte anderer Meinung sind. (14)

***

Aber dass es da keinen Unterschied gibt, kommt mir seltsam vor. Obwohl es so ist. Außer die Zeit macht einen Unterschied. Aber das stimmt nicht, denke ich, und ich denke, dass das falsch ist, was ich denke, und dann denke ich, dass mein Denken falsch ist und immer falsch gewesen ist, und ich schreie. (20)

***

Bloß warum wir als Kinder alle so viel Angst vor dem Irren gehabt haben, weiß ich nicht mehr, denn wir wussten ja gar nicht, was das ist, ein Irrer. Und heute, wo ich es weiß, weiß ich auch, dass wir gar keine Angst hatten vor ihm. Sondern vor etwas anderem, von dem wir noch lange nichts wussten. (64) Weiterlesen

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Karl Ove Knausgård: Naturalismus that kicks ass!

TLTR – Für alle, die das notwendige Geschwalle am Anfang liebevoll überspringen wollen: Lest das lange Zitat am Ende, es lohnt sich!

Naturalismus ist kein neues Phänomen in der Kunst, aber vielleicht eines der spannendsten, die es zu erneuern gilt. Wenn es stimmt, dass eine der wichtigsten Aufgaben des zeitgenössischen Denkens die Neubestimmung des Begriffs »Natur« ist, wie etwa Levi Bryant behauptet, dann wird auch die künstlerische Form von dieser Renovierung beeinflusst sein und an ihr teilhaben müssen.

In meiner panegyrischen Besprechung von Boyhood habe ich schon ein paar Dinge dazu gesagt, jetzt habe ich das nächste Ding vor mir liegen, was mich diesen Neuen Naturalismus, der da im Umlauf ist, abfeiern lässt: Karl Ove Knausgård, Sterben, den ersten Teil seiner Autofiktion Mein Kampf. Natürlich hat der Titel gerade bei Hatern in diesem Land Unverständnis hervorgerufen und Knausgård das Label eines billigen Provokateurs verpasst. Das ist aber eines der zwei großen Missverständnisse, die sich, soweit ich sehe, um sein Mammutwerk (6 Bände à 600 Seiten) gebildet haben. Denn vieles an diesem Buch regt zum Widerspruch an, aber wenig, oder gar nichts, zum Widerstand. Knausgård erzählt sein Leben, die rekonstruierte Erinnerungsvision seiner Herkunft, in der er immer noch lebt, und er erzählt sie als einen Kampf, vor allem einen gegen seinen auf ganz normale Weise übermächtigen Vater. Und es ist eben nicht nur ein Kampf, sondern seiner, im Doppelsinne dieses Pronomens: Ein Kampf, den er führt, und ein Kampf, den er sich nach und nach aneignen muss – wie ein Objekt des Besitzes. Diesen schwierigen, allmählichen und immer bedrohten Triumph über die eigenen Heimsuchungen, nachzuverfolgen – das ist es, was diese Lektüre so ungemein bewegend macht. Weiterlesen

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Zitat 28

What’s great about this country is that America started the tradition where the richest consumers buy essentially the same things as the poorest. You can be watching TV and see Coca-Cola, and you know that the President drinks Coke, Liz Taylor drinks Coke, and just think, you can drink Coke, too. A Coke is a Coke and no amount of money can get you a better Coke than the one the bum on the corner is drinking. All the Cokes are the same and all the Cokes are good. Liz Taylor knows it, the President knows it, the bum knows it, and you know it.

- Andy Warhol

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