Zitat 27

Wenn der Fluss langsam ist und man auf ein gutes Fahrrad oder ein Pferd bauen kann, ist es sehr wohl möglich, zwei Mal (oder auch drei Mal, je nach jedermanns hygienischen Bedürfnissen) in den selben Fluss zu steigen. Weiterlesen

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Frauen, die an Automaten spielen

altAlJM0W48dXEyNqwA7F-Y5-qmqbCptwTO_riEG6xTZUXlEs gibt gute Nachrichten: Ich habe beschlossen Erfolgsautor zu werden. Das Erfolgsrezept ist einfach. Man braucht nichts, keine Story, keinen Stil, nur eine Sache: Titel, die Relativsätze sind. An meinem ersten Coup, der von den Sitten und Unsitten der Provinz handelt, arbeite ich seit 6 Tagen und bin zuversichtlich, dass er noch rechtzeitig zum Beginn der Frankfurter Buchmesse im Oktober erscheint.

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Tod einer Legende

Heute ist wieder so ein Tag, an dem das Publikum deutscher Nachrichtenmedien mit Nachrufen über eine Person bombardiert werden, von der es noch nie etwas gehört hat. Diese Person ist die Komikerin Joan Rivers. Ich habe sie das erste mal vor vier Jahren bewusst wahrgenommen, in einem Hotelzimmer in den Staaten. Ich lag auf dem Bett und sah mit halber Aufmerksamkeit fern. Die Sendung, die mit viel Geblitze angekündigt würde, und die ich zu träge war auszuschalten, nannte sich Fashion Police, und ich erwartete nur das allerschlimmste. Moderiert wurde die Sendung von einer Frau mit kratziger Stimme, grässlichem Glitzerjackett und einem Gesicht, das nur noch ein einziges Silikonkissen war. Ich konnte nicht sagen, wie alt dieses Wesen war. Zwischen 35 und 95 war alles drin. Wider erwarten allerdings war ihr Gesicht sehr belebt. Es war eine merkwürdige Freude zu sehen wie sie das Plastik in ihrem Gesicht von einer Grimasse in die nächste quetschte, in der gleichen Geschwindigkeit mit der sie ihre bissigen Witze abschoss. Das war es nämlich auch: sie war witzig wie Sau. Über ein B-Sternchen in verunglücktem orientalischem Dress sagte sie: “She looks like a genie out of a Jim Beam bottle“. Ich war fasziniert. Weiterlesen

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Das Herz von Berlin

Unweit meiner Wohnung gibt es einen Asia-Imbiss. Er ist von innen klein, dunkel und etwas schmuddelig, rote Wände, Drachen, Buddhas, Winkekatzen. Serviert wird dort austauschbares Thai-Viet-China-Essen. Aus einigen Postern an der Wand, die in fremder Sprache, aber mit lateinischen Buchstaben geschrieben sind, lässt sich schließen, dass die Inhaberin wohl Vietnamesin ist. Mit schnellen, strengen Augen wacht sie über ihre wechselnden Stammgäste, diese typische Westberliner Mischung aus Handwerkern und Arbeitslosen, die nie kommen um etwas zu essen, sondern wegen des Bieres und der zwei Glücksspielautomaten, die am Eingang stehen. Aus strategischen Gründen kann sie kein Deutsch. Doch, natürlich, sie kann Begrüßung und Verabschiedung, sie kann die Zahlen, “Zum Mitnehmen oder hier essen?“, “Bitte“, “Danke“,  viel mehr aber nicht. Und das nicht weil sie nicht die Fähigkeit dazu hätte. Nein, ich meine das ist ihr Mittel, um ihre Kunden unter Kontrolle zu halten. Jedes Belabern, jedes Anpumpen ist von vorne herein unmöglich. Als ich das erste Mal da war, fragte ich sie, ob ich mit Karte zahlen könne. “Speisekarte?” – “Nein, ob ich hier mit dieser Karte zahlen kann?” – “Speisekarte?” Ich hinterlegte meinen Personalausweis und ging um die Ecke Bargeld holen. Weiterlesen

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Nihilismus oder Konzession?

Beim Durchstreifen meiner in der Auflösung begriffenen Bücherregale stoße ich auf einen Text von Botho Strauß, schlage die erste Seite auf und lese im Anfang rum:

Der alte Schnee trägt noch die Masken der großen Wehe, die vor kurzem die Türen und Wege zufegte. [What!?] Auf dem weißen See sitzen die Angler vor ihren Eislöchern wie Gaukler, die ihre Kunststücke vergaßen. [Hm, not bad] Es wird auf nichts hinauslaufen. [Uh la la] All diese Seiten, Einsprengsel eines nie erzählten Romans, werden auf nichts hinauslaufen, wie das Leben selbst, Abschnitt und Stückwerk vom Endlosen.

Ach ja, der Nihilismus. Nach wie vor eine große Versuchung. Vieles spricht für ihn, wenig dagegen. Die Fluchtmöglichkeiten sind gering und die Aussichten märchenhaft, daher schwach: Religion, Kapitalanhäufung, Fitness, Kunstblase. Liebe, ok… ist aber dann doch nicht genug für ein Zusammenleben mit den meisten. Solidarität, schon eher, aber irgendwie zu abstrakt ohne konkretes politisches Ziel oder übergeordnet kollektives Interesse.

Dazu kommt aus intellektueller Sicht, dass der Nihilismus auch gar keine so einfache Haltung ist, wie man vielleicht glauben könnte. Nihilisten wurden lange öffentlich geächtet, akademisch ignoriert und leben in geschlossenen Gesellschaften auch heute noch gefährlich. Das Argument, man mache es sich mit dem Nihilismus allzu leicht, greift also nicht. Oder wenn überhaupt, dann nur in einer Plüschtiergesellschaft wie der BRD 2014, die ja wohl global gesehen eher die Ausnahme als die Regel ist.

Dazu kommt aus historischer Sicht, dass der Nihilismus nicht irgendwo im luftleeren Space schwebt, sondern an einem schmutzigen Haken in einem mäßig gekühlten Raum mit der Aufschrift Geschichte hängt. Frei zur Fleischbeschau und Weiterverarbeitung zusammen mit anderen vor sich hin modernden Oberkeulen wie Idealismus, Realismus und Kritizismus. Auch von ihm gibt es zeitgenössischere und weniger zeitgenössische Varianten und es bleibt die Aufgabe von Intellektuellen, den Nihilismus wie alles andere immer wieder auf die Schlachtbank-Höhe der Zeit zurückzuwuchten. Weiterlesen

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Lyrisches Synchronschwimmen auf yelp.de

Unglaublich dieses Internet.

1. Yelp-Userin, Joyce R.:

Das Stadtbad Mitte, das in den 30ern  gebaut wurde, war die erste und größte überdachte Schwimmhalle Europas. Das Badevergnügen beginnt für mich als absoluter Bauhausfan schon direkt in der historischen Eingangshalle.

Der diplomierte Ingenieur Carlo Jelkman hat ganze Arbeit geleistet, um den Berlinern und Berlinerinnen, im Herzen der Stadt, ein Badevergnügen in einem außergewöhnlich schönem Raum zu bieten.

Die Gestaltung eines Sichtschutzes für die Sauna überließ er dem Expressionisten Max Pechstein. Er fertigte für zwei Seitenwände des Duschraums je sechs farbige Fenster, auf denen Badeszenen dargestellt sind.

An diesem Badeort in der Gartenstrasse 5,  der für mich durch seine Glaswände und das Glasdach in der Schwimmhalle einerseits Offenheit, andererseits aber auch Zerbrechlichkeit und somit Vergänglichkeit symbolisiert, lasse ich gerne meine Seele baumeln.

2. Yelp-User, unbenannt

Ich freue mich schon wieder drauf, wenn die Schwimmhalle endlich öffnet. Super 50 m Bahnen zum schwimmen, Umkleiden sind sauber und ok, Duschen auch.
Die einzigen Nachteile sind, die beschissenen Föne, die zig 5 Centstücke schlucken, bis die Haare mal trocken sind, die vielen Kurse, die immer eine Einschränkung sind beim schwimmen und die Leute die sich nicht die Haare nass machen wollen (vor allen Dingen Frauen mittleren Alters) und dann auch noch quatschend nebeneinander schwimmen, wenns voll ist.
Aber ansonsten schöne Halle um wieder fit zu werden.

 

 

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Zitat 26

There is something suspiciously anti-competitive about the idea that [a cultural product] should go away just because it has bad values. It is an impulse akin to the hope that a politician you dislike will be indicted or caught with a person not their legal spouse, eliminating the need to actually beat them at the polls. This is an end run around figuring out why people like what they like. It suggests a lack of confidence that liberal values will be compelling and a wish to ignore the reasons that something retrograde can also be extremely popular.

The questions of good or bad, sexist or not sexist ignore a much more interesting line of inquiry. Why is it that people, including feminist authors like Jennifer Weiner and Roxane Gay, love “The Bachelor” franchise? There is a certain un-suppleness of mind in the idea that sexist content attracts only people who are on board with that sexism.

 – Alyssa Rosenberg

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